Geschichten
Bad Harzburg - The early Tapes
Die Generäle und das Tonband
in Konserve gebracht im Institut für Lärmforschung in Bad Harzburg
Von einer Band die auszog ein Liedlein aufzunehmen.
In einem normalen Band-Leben kommt immer irgendwann einmal der Tag an dem es unweigerlich dazu kommt. Aufnahmen – Wir brauchen dringend Aufnahmen.
Ich verfalle immer sofort in Schockstarre wenn sich dieser böse Geist wieder einmal heimlich eingeschlichen hat. Wahrscheinlich bin ich der Einzige in der Band der diese Probleme hat – die Anderen sind eh soooo coool.
Ich bin gebranntes Kind und bei den so genannten Aufnahme-Sessions diesbezüglich so oft bestätigt worden, dass ich auch dieses mal wieder den üblichen Reflex bemerkte. Vor meinem geistigen Auge liefen sofort vergangene Versuche aus alten Tagen ab. Immer die gleichen Abläufe : Spielen, Aufnahme anhören, Spielen, die Aufnahme anhören , Spielen, die Aufnahme ….. – und das immer mit dem selben Lied. Dabei war das Grausamste die Diskussion der gehörten Mitschnitte. Ich will mehr Bass, die Gitarren sind zu laut oder zu leise, Gesang ist eh unerträglich, etc, etc, etc. Am Ende der Session, nach ca 3-4 Stunden, wurde der nächste Termin schon geplant um dann beim Nächsten Mal das Gleiche Ritual durchzuführen. Da diese Recording-Orgie mit bandeigenen Mitteln gemacht wurde, die natürlich wie immer sehr begrenzt sind, war das Resultat der Geschichte wenig berückend. Mit dem Entschluss beim nächsten Mal das Ganze etwas besser zu machen, wurde die CD (oder Cassette) mit der Aufnahme einem der Bandmitglieder zur weiteren Bearbeitung übergeben und damit auf Nimmerwiedersehen dem Vergessen überantwortet. Auf jeden Fall war jetzt wieder für eine Weile Ruhe und man konnte wieder Spaß am Rocken haben- Bis zum nächsten Mal….
Jetzt war es also wieder soweit – und diesmal Im Studio – So, so die feinen Herren machen auf große Welt. Gut, ich bin jetzt relativ neu in der Band, aber wahrscheinlich läuft das hier genauso ab. Und Studio, ich habe schon Aufnahmen von Bands gehört die auch die Hilfe von Professionellen in Anspruch genommen hatten und das Resultat hatte mich nicht mehr mitgerissen als das Kratzen von Fingernägeln auf Schultafeln.
Alles schien auch diesmal wie gewohnt, und dennoch fing es irgendwie anders an :
Part 1. Das demokratische Ritual : Songauswahl
Das erste mal, wodurch ich irritiert wurde, war die Tatsache, dass sich ernsthaft Gedanken gemacht wurden was denn eingespielt wird. Es sollte ein Titel für einen Lokalen Sampler aufgenommen werden und dann noch ein Paar als Demo’s für Bewerbungen. Toll, das ist schon mal ein guter Ansatz, aber jetzt kommt gleich das Hauen und Stechen bzgl. der Titelauswahl. Pustekuchen. Der Tiger soll’s sein. Der soll dann auch auf die Platte. Und dann noch der „Stranger“. Claus sagt „Sharona“ und hat das sofortige Wohlwollen Aller. Meine „POP-Ader“ lässt mich noch „I want you“ sagen und alle stimmen ein: „Ja diese Viere soll’n es sein“ – Hä ??? Hat sich soeben Nord- und Süd-Korea verbrüdert oder was ist los. Hat uns der General ein Zeichen gegeben ? Ist die Erde etwa eine Kugel ?
Part 2. Die Managerkrankheit : Wann
Wenn ich bedenke wie selten wir alle Gelegenheit haben den Übungsabend im Muckeraum zu begehen (für alle nicht Mucker : Muckeraum - eines der wenigen letzten Reviere in denen Rocker noch in freier Wildbahn gesehen (bzw. gehört) werden können. Gekennzeichnet sind diese charakteristisch unter der
Erde befindlichen oder sonst wie abgeschiedenen Räume durch das völlige Fehlen von Tageslicht und Belüftungsmöglichkeiten. In fast allen bekannten Fällen sind diese Refugien angefüllt mit allerlei Vorräten die diese Spezies für die rituellen Versammlungen benötigt – Einige sind mit Warsteiner andere mit Marshall beschriftet – Anm. der Red.), dann ist es ein eher aussichtsloses Unterfangen einen Termin zu finden sowohl alle unter einen Hut und dann noch einen freien Termin im Studio zu bekommen. Ha – Ich wusste es. Der Termin wurde verlegt, verschoben, verändert, geplant und abgesagt. Mein Weltbild über den gemeinen Mucker an sich ist wieder hergestellt.
Aber dann wurde es doch ernst. Ein Termin, keiner hat was anderes vor ?!?
Peinlich für mich – alle Anderen konnten und taten , nur ich musste in letzter Minute absagen. Ich glaube mein Problem bin ich selbst. Ich selbst erfülle meine eigene Prophezeiung das nicht sein kann was nicht sein darf – Ich muss den Psychiater wechseln.
Part 3. Die Höhle des Löwen : Im Studio
Da ich wie erwähnt nicht konnte, hat der Rest der Gang die Basic-tracks ohne mein Geplärre aufgenommen. Wie ich hörte nahezu alle 4 Tracks in einem Stück. Mit entsprechender Nachtschicht, weil, das dauert natürlich.
Mucker, ohne Limit, nachts in geschlossenen Räumen und sie hatten auch noch, wie sie bestätigten, tierischen Spaß dabei ?!? Na, da möchte ich die Aufnahmen lieber nicht hören. Man kennt das noch vom Krautrock anno 1970. 1 Stück 36 Minuten davon 35,3 Minuten Solo aller Instrumente gleichzeitig – Na klasse.
So, so, das Studio ist prima und Olli (der Mann der Regler und Hausherr) ist auch gut drauf. Heureka, da
ist ein Studiofreak der die 4 auch noch angestachelt hat mit Effekten zu spielen. Also, Amon Düül meets Dieter Bohlen. Mal sehn bei wem diesmal die Aufnahmen zwecks Nachbearbeitung im Nirwana verschwinden.
Sonntag ist der nächste Stichtag. Diesmal habe ich auch Zeit. Ist mir immer noch peinlich trotz guter Planung den letzten Termin geschmissen zu haben – Ich kann mir darum aber auch kein Gemeckere an den Aufnahmen erlauben – also Ohren zu und durch.
Treffen an vereinbartem Ort. Wo soll denn hier ein Studio sein ? Die anderen kommen auch, außer Ralf. Die Drums waren gleich beim ersten Duchgang im Kasten. Hä? Entweder ist das die erste Bestätigung meiner Theorie oder die erste Session war nicht eine ausufernde Party sondern tatsächlich konzentrierte Arbeit ? Allerdings Gösta ist auch nicht da – der hatte einen schweren Tag am vergangenen Samstag Abend . Hat der vielleicht doch schon die Flinte ins Korn geschmissen?
So, wo ist jetzt das Studio ? Hier rein und dann 256 Treppen hoch? Eine Bergwertung ? Hier ist doch
gar nichts! Ist doch alles leer! Oh – hier in diesem Stockwerk ist tatsächlich noch was. Die ersten Muckerutensilien (Verstärker, Mikroständer, Palmen,…) und dann in der letzten Etage direkt hineingebeamt in die Kommandozentrale der Enterprise.
Alles da, Riesen-Mischpult, jede Menge Effekte-Zeugs, Amps, Mikros, Sofas und eine Kaffee-Maschine. Rocker’s Paradise. Macht alles einen super Eindruck.
Claus gibt den Sightseeing Guide: Hier wurden also die Takes aufgenommen – Aha, hier stand das Drum welches mit einer Million von Mikros bestückt wurde. Der zugehörende Soundcheck hat Stunden gedauert. Ich fühle mit. Hier stehen die Gitarren Boxen: Ein Raum so groß wie eine Telefonzelle und schall-isoliert. Nur ein Mikro steht einsam und verlassen davor und erwartet tapfer Input. Moment - wir sind 2 Etagen unter dem
Studio wo der Amp steht. Welch Segen sind doch lange Kabel. Oben wird der Amp auf 10 (oder 12 oder 19) gedreht und Unten tönt die Box im vollen Marshall, Peavey, Fender, Was-auch immer- Sound – aber halt im obersten Stock nicht zu vernehmen – außer man lässt das einsame Mikro seine Arbeit tun. Das geht direkt ins Mischpult. Endlich dürfen die Gitarrenmänner auch mal das Gefühl des Vollanschlags beim Volume-Poti erleben ohne den donnernden Zorn aller Anwesenden.
Oben ist, na klar das Studio himself, Toilette und ein kleiner Raum mit Mikro. Ich ahne schon, das ist mein Kabuff. Da soll ich loslegen. Also vom Studio bin ich absolut angetan. Mehr als das – man fühlt sich gleich rundum Zuhause. Und der Meister von’s Janze scheint auch sehr nett zu sein. Selbst Mucker, aber keiner von dieser selbstgefälligen Art die man häufig trifft, die die Hobby-Mucker mitleidig und von ganz oben herab behandeln. Nein, das absolute Gegenteil. A nice Guy und absolut bemüht für die Band die Aufnahmen optimal zu gestalten.
Reiner und Olli waren während meiner Sightseeingtour bereits die ganze Zeit dabei die nächsten Schritte zu besprechen.
Soweit, so gut. Jetzt war die Zeit reif. Die Stunde der Wahrheit. Mach mal „Eye“ an so weit wie wir sind. Das muß schließlich auf den Sampler. Ich zog schon mal instinktiv die Schulterblätter zusammen und den Kopf ein. Und dann kam das:
Part 4 : Living in a box : Singen in Einzelhaft
„Eye of tiger“ läuft - Gute Güte, das klingt ja richtig fett. Das Drum und die Gitarren sind zwar schon das was letztendlich in der Aufnahme bleibt, aber Bass wird noch neu eingespielt werden und, klar, Gesang fehlt noch. Außerdem wird fortwährend betont das das Ganze noch fertig gemixt werden muss. Für mich war klar, entweder die haben das so von der Stange gekauft oder die Jungs haben tatsächlich nicht gefeiert sondern ordentlich gearbeitet. Und das Studio ist auch nicht nur schöne Kulisse, sondern voll funktionstüchtig und offensichtlich von kompetenter Hand bedient (Nachzulesen bei Wikipedia: „Der Olli macht das schon“ ) Sollte ich diesmal meine Befürchtungen ein für alle Male beseitigen können und werden wir am Ende ein komplett fertiges Tonwerk in den Händen das man sich auch anhören kann ???
Eine Hürde steht noch bevor : Mein Singsang.
Ich soll in die kleine Butze mit dem Mikro. Ich bekomme einen Kopfhörer darüber wird die Musi zugespielt auf die ich dann meinen Part zum Besten geben darf. Die Situation kenne ich aus meinem Keller, dort wo ich immer vor mich hin musiziere, in gehobener Zimmerlautstärke, daher der gewohnte Umgang mit dem Kopfhörer.
Mal sehen ob der Mix auch auf dem Kopfhörer das hält was er eben versprochen hat. Ich erwarte eine ohrenbetäubende Lautstärke oder ein zu leises Geräusch mit dem ich auch nichts anfangen kann. Wieder falsch. Olli spricht zu mir, über den Kopfhörer, ich solle deutlich machen wie laut ich die Einspielung und dann, nach ein paar gesungenen Testzeilen, meine eigene Stimme hören möchte. Wieder eine ungewohnte Erfahrung. Ich werde mich richtig hören können. Bei früheren Aufnahmesituationen absolut undenkbar. Nach ein paar Minuten passt die Sache und wir können starten.
Ich bin derweilen absolut überrascht, das ich bereits im ersten Take das Ende des Stückes richtig begonnen und beendet habe. Das liegt ausschließlich daran, das das Basis-take exakt so eingespielt wurde wie wir es immer im Übungsraum spielen. Da ja beim Einspielen der Gesang zur Orientierung fehlte (zur Erinnerung : ich hatte ja meinen Termin geschmissen – Es wird noch lange dauern dieses Trauma zu überwinden) hätten die Jungs ein Leichtes gehabt hier etwas völlig Anderes zu machen als sonst, aber nein die Aufnahme war genau so wie gewohnt. Gute Band, Guter Ralf.
In Erwartung die nächsten Regieanweisungen zu bekommen um wieder loszulegen, hörte ich nur „Von mir aus OK“ – Heureka. Geschafft.
Von wegen. Es fehlen noch die Engelschöre. Der Refrain braucht noch was rundes für den Background. Mehrstimmig. Meine schwache Seite. Ich singe doch immer allein, wie soll ich da die 2te Stimme finden. Nach kurzer Nachhilfe durch Musikprofessor Reiner habe ich dann auch die 2te Stimme gefunden, die ich dann auch einsingen musste. Eine unten die nur rummurmelt und eine andere die die Hauptsimme in der Oktave, oder ähnliches, begleitet. Das Einfachste halt. Den schwierigeren Part hat dann Reiner selbst übernehmen müssen. Guter Reiner.
Erst noch mal kurz reinhören und, ja – ich höre meine Stimme nicht besonders gerne aufgenommen, aber hier klang das Ganze doch etwas anders. Und wenn Olli meint Das ist Gut so – Er ist der Boss – oder meint er vielleicht damit : „mehr ist eh nicht drin?“ – Nein nicht schon wieder – Ich bin der Größte und Zweifel sind nicht nötig – Ich bin schließlich ja erfahrener Studiosänger .
Dieses war der erste Streich und der zweite… dritte und vierte folgen sogleich.
Nach 3 Stunden sind alle 4 Songs drin und fertig – was den Singsang angeht.
Also Ihr Gitarrenmänner : Zieht blank …. Kobra übernehmen Sie :
Part 5 : Duelling Banjos : Wie aufregend ist das Axman-Leben, Faria Faria Ho
Jetzt kommt endlich die 6 Saiten-Fraktion zum Einsatz, die in den bisher vergangenen 4,5 Stunden nur mehr oder weniger lethargisch auf den locker verteilten Sitzensembles rumgelümmelt hatte. Tja wenn der
Kuchen singt, müssen die Krümel Konditoren schweigen. Unglaublich wie ein bisschen Singerei in engen Räumen das Selbstwertgefühl immens steigert, wenn man wieder rausgelassen wird. Manche Sänger werden ja dort auf ewig lebendig versiegelt – oder hat schon mal jemand wieder was von Olli P gehört ?
Aber jetzt kommt die große Stunde – Die Röhren der Verstärker werden vorgeglüht, die Plektren in Talkum-Puder gewendet und in die eingewachsene Vorrichtung zwischen Zeigefinger und Daumen geklinkt. Der rechte Arm wird zur Ausgangsstellung der legendären Pete Townshend Windmühle erhoben. Die Spannung die in der Luft liegt lässt das einfache Atmen erscheinen als ob man gerade auf einem über 10.000 Meter hohen Gipfel dünne Luft atmet, während der Jeti in einen kleinen schwarzen Body eine schöne Tasse „Reinhold Messmer“ Tee serviert. Claus und Reiner sind bereit für die Aufnahme ihres Lebens alles zu geben. Alles wartet auf den erlösenden Anzähler aus den Boxen und dann kommt es: „Zuerst der Klaus mit dem Tak Tak Tak, bitte 5 mal hintereinander, damit wir das nicht einfach nur doppeln müssen.“ Aus der Traum des Gitarrenduell in Lichtgeschwindigkeit. Oli sagt was geht und es geht - Reiner, denn der kommt erst später dran.
Claus kann jetzt aber alles rauslassen was er hat – er kann sich voll entfalten denn er darf den Rhythmus – Part von „Perfect Stranger“ in einem Take durchspielen und das nicht nur einmal, nein 5mal oder so.
Heissa, das macht Freude. Claus strahlt. Aber er wäre nicht Claus wenn er es nur einfach bei der soliden Gitarrenarbeit belassen würde. Nein, wie man es von ihm auf der Bühne nicht anders kennt, ist er schon bei den ersten Takten dabei den Rhythmus mit dem Bein mitzustampfen. Bereits nach dem Intro steht er beitbeinig vor seinem Verstärker und wiegt in guter alter Status Quo Boogie Manier von Fuß zu Fuß, während seine wallende Mähne den Gitarrenhals bedeckt und das Sustain seiner ständig vibrierenden Saiten noch um ein Vielfaches verstärkt. Nach dem 2ten Refrain gibt es für Ihn kein Halten mehr. Da wir das bereits von der Bühne kennen, haben wir wohlwissend schon einmal alle zerbrechlichen Gegenstände aus dem Fenster geworfen. Besonders Oli’s Regiestühle, die ihm über Alles heilig sind, sind in Sicherheit gebracht. Da, jetzt passiert es . Claus macht den „Chuck Berry walk“ aber nicht die einfache Variante, nein bei Ihm sind Ansätze von Jacksons Moonwalk und einem Purzelbaum enthalten. Er nutzt dabei den gesamten Raum den das Studio bietet. Jetzt da er in der äußersten Ecke angekommen ist, nimmt er Anlauf und rutscht auf seinen Knien entlang des Mischpultes, vorbei an der Kaffeemaschine und der Plasma-Leuchte und kommt mit dem Schlussakkord direkt vor seinem Verstärker zum Stillstand. Ein Glück ist das Stück nur 4,5 Minuten, ansonsten hätte er sicherlich mit einem seiner typischen Stage-Dives geendet – was hier im 8ten Stock sicherlich problematisch bei der Aufnahme gewesen wäre- da das Kabel bestimmt nicht bis unten gereicht hätte. Ja so ist Claus. So und jetzt das Ganze wie gesagt noch 4 mal.
Part 6 Dr.Music – Wenn Beethoven doch nur Hören könnte
Nachdem der Claus seinen Part erfolgreich durchgezogen hatte war die Pflicht getan und Reiner konnte zur Kür schreiten. „Ich hab da mal was vorbereitet“. Sprach’s und orderte gleich 2 dutzend Spuren für
Gitarren. Wir nahmen schon an, dass er jede Saite einzeln auf eine Spur legen wollte, aber nein – weit gefehlt. Erst mal 2 Spuren Rhythmus zum warm machen. So’ne andere Stimme zu dem was Claus gespielt hat. Das natürlich auch wieder doppelt, wegen der Fülle und so. So jetzt dort und dort, da und noch mal da ein kleines Lick als Würze, so wie der Blackmoore das bestimmt auch gerne gemacht hätte. Ach, da kann auch noch was hin. Aber nicht so laut, das soll nicht so dominant sein, nur so ein kleiner Farbtupfer am Rande. Nachdem McGyver dann die Farbpalette wieder zur Seite gelegt hat, ging es an die gesangsfreien Teile : Intro: Mist, das muss beim Einspielen genau zum Timing des Stückes passen. Dummerweise kein Drum das den Takt vorgibt. Ob man Recht hat oder nicht sagt Dir nicht das Licht, sondern der verspätete Einsatz der Band. Also Gut: Versuch 1. - Nochmal. Versuch 2. - Schon prima, aber noch nicht ganz Versuch 3. - Fast Versuch 4. – Passt scho’ – Den Rest machen wir beim Mischen Solo Mitte : Ist eigentlich keins drin, sondern nur ein prägnanter Rhythmus-Teil, aber auch da hat unser Wicky eine Idee. Gesprochen und ausgeführt in einem Take. Solo Ende : Hier ist der Meister noch ein wenig unschlüssig ob der Architektur der Töne die am Ende des Opus ertönen solle. Also, der Part kommt in eine Endlosschleife und Reiner improvisiert Runde für Runde. Alle Ergebnisse werden mitgeschnitten und am Ende steht die Qual der Wahl. Auch hier war wieder real praktizierte Demokratie hilfreich bei der Entscheidung. Wie schon bei der Auswahl der Stücke war schnell der beste Take gewählt. Harmonie in höchster Vollendung. Es hatte wohl doch geholfen, das der Bohnenkaffee am Morgen durch Kaffee Hag ersetzt wurde. So oder ähnlich lief das auch für den Rest der Stücke ab, wobei dort mehr oder weniger Spuren eingesetzt wurden. Jetzt musste Gösta nur noch den Bass einspielen. Der einsame Wolf hatte sich extra einen speziellen Termin geben lassen um einmal so richtig seinem kleinen Gustav (so nennt er sein Instrument) die Flagoletten (die Königsdisziplin) zu entlocken. Kein Wunder das er dabei allein sein wollte. Da ich der Wahrheit, und nichts als der Wahrheit verpflichtet bin, kann ich demnach auch nichts Detaillierteres über diesen Akt der Vollendung berichten – aber mal ehrlich, wer wollte bei so was schon dabei sein !!!! Klappe zu – Affe tot. Die Aufnahmen sind getan. Im Mixer ist schon Alles. Jetzt muss nur noch gerührt und/oder geschüttelt werden.
Part 7 Die Mischung machts – „Knoblauch/Nuß“ oder „Kümmel/Krokant“ ?
Himmel Hilf, bzw. Olli, laß ein Wunder geschehn’.
2.657 Millionen Spuren müssen auf Hörstärke verdünnt werden, sprich es kommt noch etwas Arbeit auf uns zu. Zu diesem Zweck kommt die gesamte Band zurück an den Tatort. Termin gefunden (Ich staune
schon wieder) und alle sind da (Ich staune noch mehr). Alle waren natürlich schon auf das was jetzt kommen würde vorbereitet. Wir hatten jeder einen Roh-Mix der Stücke, der von Jedem der Beteiligten auch eifrig gehört und bewertet werden sollte. Ich hatte mir die Songs in meinen IPod geladen und dort so oft gehört, dass in der automatisch erstellten Hitliste von ITunes „All_time Charts“ die Spitzenpositionen bis ins Jahr 2045 kaum mehr eingeholt werden können – schon mal ein kleiner Vorgschmack was mit den fertig abgemischten Stücken in den echten Charts passieren wird – Robbie, pass auf wir kommen !!!
Zurück zur Realität:
Das Drum läuft jetzt solo – Auf geht’s die Mischung ruft : Die Bass-Drum1 braucht noch etwas Bumms – Olli legt Hand an. Snare mit Hall – Olli dreht. High-Hat (heißt es der oder die High-Hat ?!?) ist etwas schrill – Olli sagt das muss etwas höher klingen, das geht bei normalen Boxen sonst unter, aber Olli schraubt. Tom 1 dröhnt etwas – Olli macht. Tom 2 ist etwas zu mittig – Oli bastelt. Tom 3 …. (Jetzt muss man wissen das Ralf mit seinem Instrument seit 15 Jahren im Guinessbuch der Rekorde steht als Besitzer
des größten Drumkits des Universums. Er hatte damals, als er von Hamburg wegzog um die große, weite Welt zu erleben, seinen Krabbenkutter erst gegen ein Fesselballon, diesen gegen ein original indianisches Wigwam aus Otter-Fell und letzteres schließlich gegen das heutige Schlagzeug eingetauscht. „Ralf im Glück“ ist seit diesem Tag stolzer Besitzer und Transporteur eines 7.849- teiligen Drumsets incl. Double, Tripple und Quatro-Bass. Ein weiterer Tausch gegen einen Starschnitt der Kelly-Family scheiterte in letzter Minute. Gründe wurden nicht überliefert - Anm.des Authors). Woops – schon fertig. So jetzt mal das ganze Drumset laufen lassen. Läuft. Oh, die BassDrum1 hat jetzt etwas zu viel Bumms – Olli …… Na ja, letztendlich war Ralf zufrieden und das Ganze ging dann doch recht schnell über die Bühne. Jetzt Gösta’s Bass. Erst alleine und dann zusammen mit dem Drum. Olli weiß was zu tun ist und wir geben unseren Senf dazu. So geht das Ganze über alle Instrumental Spuren : Rhythmus Gitarre 1-13, Solo Gitarre 1-256, etc bis der Instrumental-Mix allen Anwesenden zusagt.
Nun der Gesang. Ein Segen sind die vielen kleinen technischen Spielereien die man so einer Stimme
angedeihen lassen kann. Hall, Gate , Frequenzkorrektur (keine Tonhöhen-korrektur – ich bin empört das man mir so etwas zutraut), Ovomaltine, Desoxiribonucleinsäure, Mopsgeschwindigkeit, Wiener Apfestrudel, Delay und all das was die Raumfahrt halt als Nebenprodukt bei der Kontaktaufnahme mit Außerirdischen so entwickelt hat.
Ich klinge wie, wie, wie – der Name fällt mir nicht ein, egal – aber kommt gut. Jetzt noch die Background-Spuren. Dummerweise habe ich versucht bei „Perfect Stranger“ kreativ zu sein und habe einen Mini-Kanon mit mir selbst gesungen (Schizophrenie pur), wie ich finde, jetzt wo ich es auf der Aufnahme höre, völlig unnötig. Die Anderen wollen es behalten. Mist. Egal Olli macht das schon.
Diese Zeremonie wird jetzt mit jedem Stück gemacht und dieser Prozess dauert mindestens genau so lange wie das Einspielen benötigt hat. Aber am Ende hat sich die gesamte Arbeit dann doch gelohnt. Wir hatten
eine Menge Spaß. Wir haben Erfahrungen gesammelt die wir gerne einmal wiederholen wollen – und wenn dann bestimmt auch wieder bei Olli. Ich konnte meine Vorurteile „Aufnahmen sind nur Zeitverschwendung“ komplett revidieren (Allerdings sollte man das in solch einen Rahmen machen und nicht mit ein paar Mikros im Muckeraum – Auch wenn es etwas Geld kostet).
Und wir haben 4 Aufnahmen im Kasten die sich hören lassen. Mal sehen wie wir die jetzt an den Mann/die Frau bringen.
The End
gez. Rosamunde “Brosi“ Pichler